DIE ERSTEN JAHRE
Im Jahre 1902, vor nunmehr 100 Jahren entstand zwischen Innrain und Anichstraße Aus einer ehemaligen Fahrradhalle ein Theater. Es war mit 500 Sitzen, einer großen Bühne und einem Restaurationsbetrieb ausgestattet. Verschiedene Gruppen und Grüppchen, Volksbühnen und solche mit anderen Zielsetzungen fanden dort ihre Heimat. Sie versuchten, Kultur und Politik verpackt in Bühnenstücken zu vermitteln. Der erste Weltkrieg machte dem munteren Treiben ein Ende. Ein Arsenal für Ausrüstung und Verpflegung des Militärs wurde dort eingerichtet. Nach Beendigung des Krieges zog die Bühne des Direktors August Klingenschmied in den wieder adaptierten Saal ein. Direktor Klingenschmied verkündete, dass er sich so wie die im österreichischen Hof niedergelassene Exlbühne auch der Bewegung für die Erweckung des bodenständigen Tiroler Volksschauspiels anschließen würde. Vorbei war das Hanswursttheater der Zeit vorher. Neue Stücke aus den Federn Der klassischen Tiroler Dramatiker wurden laufend aufgeführt.
DIE ZWISCHENKRIEGSZEIT
1932 nahm die Spielschar des Katholischen Arbeitervereines den Spielbetrieb der Leobühne auf. Inszenierte zunächst alle Volksstücke, die erreichbar waren. "Der Müller und sein Kind", "Die sieben Todsünden" und eine Dialektbearbeitung des "Jedermann" waren unter anderem das Repertoire der Bühne. Es wurde exakt gespielt, ein großes Stammpublikum war vorhanden. Sogar das "Weiße Rößl" mit über 36 Mitwirkenden wurde aufgeführt.
DER NEUSTART
Während des zweiten Weltkrieges musste der Theaterbetrieb ein zweitesmal Mal eingestellt werden. Die Bühne wurde abgerissen, die Bühnentechnik zerstört, der Fundus verschwand auf Nimmerwiedersehen und der Saal musste als Lager dienen. Nachdem der Krieg vorüber war, war der Saal nur mehr eine öde Stätte. Das Gebäude wurde in einem langwierigen Enteignungsverfahren zurückgewonnen. Der Stammverein hatte keine Mittel um den Betrieb selbst wieder aufzubauen.
Durch einen großzügigen Umbau entstand im Saal das Leokino, das ab 1950 seine Pforten geöffnet hielt. Der Verein baute sich einen kleinen Saal in der Anichstraße 36 und richtetet sich auch eine Möglichkeit für den Theaterbetrieb in kleinerem Umfang ein.
Nur mehr ca. 80 Personen fasste der kleine intimere Leosaal, aber alte bewährte Spieler und neu Hinzugekommene Begeisterte begeisterten und brachten neues Leben auf die Bühne und in das Haus.
DIE 60-ER JAHRE
Vom November 1958 bis November 1962 waren die Leobühne und das Büro des Katholischen Arbeitervereines Sitz des "Landesverbandes Tiroler Volksbühnen".
Das "Kleine Innsbrucker Volkstheater" hat seine Spieltätigkeit auf der "Leobühne" von September 1960 bis Juni 1962 ausgeübt.
Im Herbst 1966 fand die "Innsbrucker Heimatbühne", die damals ihren Sitz im Pfarrheim Mariahilf hatte, eine neue Heimstätte. Unter dem Namen "Volkskunstring-Leobühne Innsbruck" und unter der Direktion von Arthur Schestak entwickelte sich ein reger Spielbetrieb, der beinahe jedes Wochenende eine Vorstellung erbrachte.
Die Bühne hatte die Konzession für das ganze Land Tirol und gab außer in ihrem Stammhaus in der Anichstraße Vorstellungen in Reith i. A., in Häring, Pettnau, Götzens, Grinzens und Polling. Unter anderem standen im Programm: "Der Dorfdetektiv", "Der Sonntagsschänder", und "Sturm im Maßkrug", sowie die Märchen "Rumpelstilzchen", "Das tapfere Schneiderlein", und "Hänsel und Gretel". 1968, zum "Schönherr-Gedenkjahr" wurde unter der Gastregie von Rudolf Hiessl "Der Weibsteufel" aufgeführt.
EINE NEUE EPOCHE
1976 wurde der Name "Volkskunstring-Leobühne, Innsbruck" in "Leo-Bühne Innsbruck" umgewandelt. Direktor wurde Hermann Ortler, Intendant Hermann Authried.
Ab Mai 1977 führte die Bühne Direktor Sepp Tonini. Zum Jubiläum des Katholischen Arbeitervereines wurde im Rahmen eines Festaktes "Der Joch" von Franz Kranewitter aufgeführt. Es folgten die Stücke "Bis die Uhr zwölf schlägt", "Vater gesucht", "Der Hoamliche", "Der Ehestreik" und "Die spanische Fliege", wobei auch Gastspiele in Grinzens, Ampass, Arzl, Mayrhofen und Südtirol absolviert wurden.
MIT BOULEVARDKOMöDIEN ZU NEUEN HöHENFLüGEN
Die Leobühne war eine der ersten Laienbühnen in Innsbruck, die das Boulevardstück mit großem Erfolg ins Theaterprogramm aufnahm. Unser tolles Publikum belohnte und dankte es uns, indem die Schar der treuen Zuschauer immer größer wurde.
In Zeiten, da die finanzielle Unterstützung von Stadt und Land immer weniger wurde, bis es gar nichts mehr gab, war es nicht immer einfach einen klaglosen Betrieb aufrecht zu erhalten.
1989 - 1996 übernahm erstmals eine Frau die Geschicke der Leobühne. Christine Roither übernahm das Amt der Obfrau von Josef Tonini. Als großartige Schauspielerin und Regisseurin, und vor allem aber als verständnisvolle und einfühlsam Frau, führte Sie gemeinsam mit Markus Moll als Intendanten die Truppe der Leo-Bühne. In den Zweipersonenstücken "Es" von Karl Schönherr und "Vier linke Hände" von Pierre Chesnot boten Christine Roither und Ernst Schaffenrath eine beeindruckende Leistung.
Mit dem Stück "Der eingebildetet Kranke stirbt" von Molier, nach einer Bearbeitung und unter der Regie des Dramaturgen des Landesverbandes Tirolervolksbühnen Ekkehard Schönwiese reiste die Bühne sogar nach Graz und feierte dort ebenso wie auf der eigenen Bühne einen großen Erfolg.
Das Märchen hat bei der Leobühne Tradition. 1995 entschloss sich die Leobühne zum ersten Mal die Einnahme der Vorstellung am Heiligen Abend einem wohltätigen Zweck zukommen zulassen, und das wurde auch in den kommenden Jahren so beibehalten.
Im Jahre 1996 übernahm Markus Moll die Leitung der Leobühne und wurde zum neuen Direktor. Daniela Vill trat 1999 die Nachfolge Ernst Schaffenraths als Intendantin an.
Die Leo-Bühne bewies also ihr Bekenntnis zur "Quotenregelung". Auch das neue Team bewies Qualität in Stückwahl, Regie und Schauspiel.
In all den Jahren war das Team der Leobühne bemüht abwechslungsreiches Theater zu spielen und zu leben, um damit das Publikum zu erfreuen. 100 Jahre Leobühne sind ein Grund zum Feiern, für uns, die SchauspielerInnen, aber natürlich auch für Sie, unser Publikum. Wir danken allen, die uns bisher tatkräftig unterstützt haben, unseren Sponsoren, Freunden, GastspielerInnen und am meisten unseren ZuseherInnen, denn nur durch sie können das Theater und die Leo-Bühne leben.
IN DIESEM SINNE FREUEN WIR UNS AUF DIE NäCHSTEN 100 JAHRE!